In diesem Artikel soll es natürlich nicht darum gehen, wie man den Akku seines Autos kaputt macht, sondern wie man genau das vermeidet, aber falls ihr zu viel Geld habt oder zeigen wollt, dass E-Mobilität ja ohnehin nicht funktioniert, werdet ihr hier auch schlauer. 😉
Wie bei jeder Technologie gibt es auch bei der E-Mobilität Grenzen. Bei den Verbrennern hat man schon in der Fahrschule gelernt, dass man nicht zu ober- oder untertourig fahren soll, wie man flüssig anfährt und die Kupplung nicht unnötig schleifen lässt, damit Motor, Getriebe und Kupplung möglichst lange halten.
Bei E-Autos gibt es auch einige Dinge, die man beachten sollte, damit der Akku möglichst lange hält (oder eben auch nicht), allerdings lernt man das (noch) nicht in der Fahrschule, daher gibt es diesen Beitrag.
Grundsätzlich ist ein E-Auto Akku dazu ausgelegt mind. 160.000 km zu halten, denn darauf bietet der Autohersteller Garantie. Wenn man mit dem Akku sorgsam umgeht – und der Hersteller eine optimierte Zellchemie, mit speziellen Additiven verwendet, können das unter Umständen auch 1 Mio. Km sein, wie Studien zeigen. Siehe hier: https://iopscience.iop.org/article/10.1149/1945-7111/ae502b/meta
In dieser Studie konnte man unter Laborbedingungen 12 Mio. Km aus den Akkus herausholen. Aber um es vorweg zu nehmen: das ist im Alltag nicht realistisch! Dass ein E-Auto Akku bereits heute schon 300.000 – 800.000km hält, ist aber, entgegen der landläufigen Meinung, keine Ausnahme!
Also, was kann ich tun?
1. Den Akku langsam laden
Das bedeutet, dass der Akku langsam geladen werden sollte. Klar; das wollen wir nicht! Wenn du vom Verbrenner umgestiegen bist, bist du es gewohnt den Tank in 5 Minuten voll zu machen; dann hast du dich schon zu einer Elektrokarre durchgerungen weil der Hersteller verspricht, dass man NUR 20 Minuten warten muss und dann kommt der E-Auto Admin und sagt dir, dass Laden unter 4-5 Stunden dem Akku schadet?!
Ja! So ist es! Aber langsam; häufiges Schnellladen kann die Alterung erhöhen – besonders bei hohen Ladezuständen und Temperaturen. Im Alltag ist der Effekt aber meist moderat. Das heißt also nicht, dass man komplett auf’s Schnellladen über Gleichstrom (DC) verzichten muss. Wenn du zu 100% DC lädst, dann wird der Akku trotzdem die Hersteller Garantie erreichen. Hier geht es darum diese Laufleistung deutlich zu erhöhen (oder eben nicht), und dazu sollte man nach Möglichkeit AC-Laden, mit 11KW oder, wenn es geht, noch weniger.
Um nun den Wechsel von 5 Minuten Tanken auf 5 Stunden Laden gut zu finden, ist kein anderes Mindset nötig, sondern ein Verändern der Gewohnheiten!
Das Motto der E-Auto Fahrer ist:
„Steht er, dann lädt er!„
Hintergrund ist, dass ein PKW im Schnitt nur 2-4% der Zeit am Tag gefahren wird. Das bedeutet, dass das Fahrzeug eigentlich ein Stehzeug ist, da es locker 96% der Zeit am Tag einfach nur rum steht, in der es auch geladen werden kann.
Autofahrer mit einer eigenen Steckdose oder Wallbox können das recht einfach umsetzen. Wenn du aber, wie ich „Laternenlader“ bist, dann heißt das in der Lade-App deiner Wahl zu schauen ob es AC-Lademöglichkeiten gibt, wo du hin fährst. Und das sind, insbesondere in Großstädten, erstaunlich viele, die idR. von den lokalen Stadtwerken betrieben werden. Aber auch private Anbieter bauen immer mehr aus.
Wenn du es schaffst das konsequent umzusetzen, kann sich das E-Auto Laden sogar zu einer Zeitersparnis, im Vergleich zum Tanken, entpuppen, da du nicht mehr 1-2mal pro Woche gezielt eine Tankstelle ansteuern musst, sondern ohnehin dort lädst wo du bist. Aber klar, damit das funktioniert, musst du dich erstmal mit der Ladeinfrastruktur in deiner Umgebung beschäftigen.
Profitipp: Wenn du vor dem Kauf eines E-Auto stehst und den Akku möglichst schnell zerstören möchtest, dann entscheide dich für ein Auto mit möglichst kleinen Akku aber hohen Ladeleistungen. Denn was den Akku wirklich zerstört sind unter bestimmten Bedingungen hohe C-Raten. Das ist das Verhältnis von Akku-Größe in KWh und der Ladeleistung in KW. Wenn dein Auto zB. einen Akku mit einer Kapazität von 50KWh hat und eine Ladeleistung von 50KW dann, entspricht das einer Ladeleistung von 1C. Wenn die Ladegeschwindigkeit bei 150KW liegt, dann hat der Akku eine Ladeleistung von 3C.
Aber auch hier wirst du es schwer haben wenn das E-Auto ein gutes Batteriemanagementsystem (BMS) hat, denn dann erlaubt es diese Ladeleistung nur wenn der Akku auch die optimale Temperatur hat.
2. Der richtige „State of Charge“
State of Charge (SoC) ist der Ladezustand in dem sich der Akku befindet. Also auf Deutsch; wie voll der Akku ist.
Hier muss man zwischen den beiden gängigen Zellchemien, NMC und LFP unterscheiden, da beide unterschiedliche Anforderungen haben.
NMC-Akkus fühlen sich bei 50% am Wohlsten. Wenn es es also schaffst den SoC deines Akku zwischen 40% und 60% zu halten, ist das am Optimalsten. Werte unter 20% und oberhalb von 80% mögen diese Akkus nicht und führen zu einer beschleunigten Alterung.
Auch das heißt nicht, dass man den Akku nicht auf 100% laden darf. Im Gegenteil, 1-2x im Jahr sollte man den Akku ruhig mal auf 100% laden, damit das Batteriemanagementsystem (BMS) den Akku besser einschätzen- und damit akkuratere Reichweitenanzeigen liefern kann.
Wichtig ist es aber das Auto nicht längere Zeit mit einem vollen Akku stehen zu lassen, sondern nach ein paar Stunden wieder los zu fahren, denn kein Akku (sowohl NMC als auch LFP) mag es längere Zeit bei 100% zu stehen. Das wäre ein kapitaler Fehler beim Handling, mit dem du den Akku deines E-Auto garantiert kaputt machst!
Bei LFP-Akkus liegt der optimale SoC bei 0-25 %! Je niedriger, desto besser, wie viele neuere Studien zu LFP-Akkus bestätigen. Ja, das hört sich danach an, dass man den Akku am Besten nicht benutzen sollte, aber so ist es nicht!
LFP-Akkus sind dafür bekannt, dass sie sehr robust sind, also auch wenn sie einen möglichst niedrigen SoC mögen, heißt das nicht, dass man sie nicht voll machen darf! Wie ich schon in meinem Artikel zum Vergleich von NMC- und LFP-Akkus beschrieben habe, sollte man sie sogar regelmäßig auf 100% laden, damit auch hier das BMS den Akku besser einschätzen kann. Bei der Empfehlung geht es daher nur um den SoC in dem sich der Akku in der überwiegende Zeit befindet. Ob und wie ihr das umsetzen könnt ist natürlich völlig individuell und oftmals komplett unrealistisch, aber da LFP-Zellen deutlich robuster sind als NMC-Akkus ist der SoC hier auch weniger ein Thema.

Profitipp: Beide Zellchemien haben eines gemeinsam; sie mögen keine Ladezustände von 100% über längere Zeit! Also wenn du deinen Akku möglichst schnell kaputt machen möchtest; lade ihn auf 100% und lass das Auto dann einfach stehen, hier kann dann auch das BMS nicht mehr schützend eingreifen. 😉
3. Mini-Ladezyklen
Unter einem Ladezyklus versteht man das Be- und Entladen eines Akku. Bei allen Li-Ionen Akkus ist die Alterung bei größeren Ladezyklen größer als bei Kleinen. Auch wenn die insgesamt bewegte Energie gleich ist, altert der Akku langsamer, wenn man weniger nachlädt, als wenn der Akku regelmäßig große Ladehübe zu verzeichnen hat.
Typischer Zusammenhang:
- 100 % → 0 % → 100 % = 1 großer Zyklus (viel Verschleiß)
- 70 % → 60 % → 70 % = Mini-Zyklus (wenig Verschleiß)
Auch hier ist der Effekt bei NMC-Akkus größer als bei LFP-Zellen, aufgrund der bereits erwähnten höheren Robustheit von LFP.
Profitip: der Einfluss auf das Altern des Akkus ist hier deutlich kleiner als bei Punkt 1 und 2, daher spar dir diesen Punkt und konzentriere dich beim Akku-Zerstören auf die vorher genannten Punkte!
4. Der Einfluss des Strompedals
Wie bei Verbrennern hat auch bei E-Autos der Gas- oder Stromfuß einen Einfluss auf die Lebenserwartung des Antriebs. Ich hatte ja schon beim Profitipp unter Punkt 2 die C-Rate erklärt. Das betrifft nicht nur das Laden des Akku, sondern auch das Entladen. Auch hier haben die E-Auto Hersteller vorgesorgt und limitieren den negativen Einfluss etwas, in dem sie z. B. nur kurzzeitig die maximale Leistung abrufen. So sieht man in den Prospekten der Autobauer öfters Werbeangaben von 300PS und mehr und auf der Zulassung des E-Autos steht dann nur noch 150PS, da das die Dauerleistung ist.
Profitipp: Mit regelmäßigen Kickstarts an der Ampel bekommst du den Akku auch kaputt. Insbesondere wenn der Akku noch kalt ist. Auch hier limitieren viele Hersteller den Spaß etwas aber wenn du das nur oft genug machst hat das einen Einfluss! 😉
5. Die Temperatur
Viele Menschen fragen sich ja wie es sein kann, dass der Akku in ihrem Handy nur gut drei Jahre hält, während der eines E-Autos Laufleistungen von locker 300.000km und mehr erreichen kann. Ein wichtiger Grund ist das BMS (Batteriemanagementsystem) des E-Autos.
Das sorgt dafür, dass der Akku erwärmt wird wenn er noch kalt ist und Leistung abgerufen werden muss und wenn es zu warm ist wird er klimatisiert. Wenn man zum Schnelllader fährt, führen die besseren E-Autos eine Akku-Vorkonditionierung durch, damit der Akku bei Ankunft am Lader die optimale Temperatur hat und dann auch schnell lädt.
Daher hat man als Fahrer wenig Einfluss auf die Akku-Temperatur und auf die Außentemperatur ohnehin nicht. Wenn man das im Hinterkopf hat, kann man sein Fahrverhalten schon etwas darauf anpassen und am Anfang der Fahrt den Stromfuss noch etwas zügeln.
Profitipp: viele E-Autos haben die Möglichkeit über die Handy-App einen Abfahrtszeitpunkt einzugeben oder zumindest die gewünschte Temperatur für den Innenraum zu aktivieren. Abhängig vom E-Auto wird dabei oftmals auch direkt der Akku mit erwärmt. Wenn du möchtest, dass der Akku schneller altert, dann nutze das bloß nicht und verzichte auf den Komfort eines warmen Auto im Winter oder eines klimatisierten Autos im Sommer! Steig ins heiße oder kalte Auto ein und tritt es was das Zeug hält; denn wenn das Auto erstmal die richtige Temperatur hat ist es zu spät dem Akku zu schaden!
Fazit
Wenn du es drauf anlegst, gibt es viele Möglichkeiten den Akku kaputt zu machen oder zumindest die Alterung zu beschleunigen. Das BMS kann viel davon verhindern aber es ist nicht allmächtig, man muss nur die Schwächen kennen und diese gezielt ausnutzen! 🙂


